Vergangenheit in Latein: Imperfekt, Perfekt oder Plusquamperfekt?

Latein hat drei Vergangenheitszeiten. Dieser Guide zeigt dir, woran du sie erkennst, wann welche Zeit steht und wie du sie sauber ins Deutsche übersetzt.

Lateinorum TeamVeröffentlicht am 5 Min. LesezeitGrammatik
Inhalt
  1. Die drei Vergangenheitszeiten im Überblick
  2. Die Filmregel: Kulisse, Handlung, Rückblende
  3. Das Imperfekt: dauernd, wiederholt, beschreibend
  4. Das Perfekt: abgeschlossen und einmalig
  5. Das Plusquamperfekt: noch früher
  6. So übersetzt du die Vergangenheit richtig
  7. In 3 Fragen zur richtigen Zeit
  8. Häufige Fragen
  9. Üben statt nur lesen

Kurz zusammengefasst

  • Latein hat drei Vergangenheitszeiten: Imperfekt (laudabat), Perfekt (laudavit) und Plusquamperfekt (laudaverat).
  • Imperfekt beschreibt Hintergrund und Dauer, Perfekt die einzelne, abgeschlossene Handlung, Plusquamperfekt das, was schon vorher passiert war.
  • Das lateinische Perfekt übersetzt du in Erzählungen meistens mit dem deutschen Präteritum.

Wenn in einem lateinischen Text etwas in der Vergangenheit passiert, hast du drei Möglichkeiten: Imperfekt, Perfekt oder Plusquamperfekt. Im Deutschen sagen wir oft einfach „er lobte“ oder „er hat gelobt“. Im Lateinischen aber ist der Unterschied wichtig, und beim Übersetzen kostet er viele Schüler Punkte.

In diesem Guide siehst du schnell, welche Zeit vorliegt und wann du sie benutzt. Einen Überblick über alle sechs Zeiten findest du außerdem in unserer Zeiten-Übersicht mit Tabelle.

Die drei Vergangenheitszeiten im Überblick

ZeitErkennungszeichenBeispielDeutsch
Imperfekt-ba- / -eba-laudabat, dormiebater lobte, er schlief
PerfektPerfektstamm + -i, -isti, -it, -imus, -istis, -eruntlaudaviter hat gelobt / er lobte
PlusquamperfektPerfektstamm + -era-laudaverater hatte gelobt

Alle drei Zeiten sagen, dass etwas vorbei ist. Sie unterscheiden sich darin, wie die Handlung gesehen wird.

Die Filmregel: Kulisse, Handlung, Rückblende

Stell dir die Vergangenheit wie einen Film vor:

  • Imperfekt = Kulisse. Die Kamera läuft, es wird beschrieben, was gerade andauert oder üblich war: Die Sonne schien, die Sklaven arbeiteten.
  • Perfekt = Handlung. Es passiert etwas Neues, ein Schnitt: Plötzlich rief der Herr.
  • Plusquamperfekt = Rückblende. Etwas war schon vorher passiert: Der Herr hatte den Brief gelesen.

Ein Beispielsatz mit allen drei Ebenen:

Servi in agro laborabant, cum dominus subito clamavit. Die Sklaven arbeiteten auf dem Feld, als der Herr plötzlich rief.

laborabant (Imperfekt) ist die Kulisse, clamavit (Perfekt) ist das Ereignis, das dazwischenfährt.

Das Imperfekt: dauernd, wiederholt, beschreibend

Das Imperfekt benutzt du für

  • Dauer und Hintergrund: Servus laborabat, dominus dormiebat. – Der Sklave arbeitete, der Herr schlief.
  • Wiederholung und Gewohnheit: Cotidie ad forum ibat. – Jeden Tag ging er zum Forum.
  • Beschreibungen und Zustände: Urbs magna erat. – Die Stadt war groß.

Bildung: Präsensstamm + -ba- + Personalendung (lauda-ba-m). Bei der konsonantischen Konjugation, der i-Konjugation und der Mischkonjugation heißt das Signal -eba- (ag-eba-m, audi-eba-m, capi-eba-m).

Signalwörter: semper (immer), saepe (oft), cotidie (täglich), interea (inzwischen).

Alle Formen: Imperfekt im Detail

Das Perfekt: abgeschlossen und einmalig

Das Perfekt benutzt du für

  • einzelne Handlungen, die vorangehen: Caesar urbem intravit. – Cäsar betrat die Stadt.
  • Ergebnisse, die bis jetzt gelten: Hoc legi. – Das habe ich gelesen.
  • Fakten und Berichte: Roma condita est. – Rom wurde gegründet.

Bildung: Perfektstamm + -i, -isti, -it, -imus, -istis, -erunt. Den Perfektstamm bildest du je nach Verb unterschiedlich. Du lernst ihn deshalb mit den Stammformen:

TypBeispielPerfektstamm
v-Perfektlaudare, laudo, laudavilaudav-
u-Perfektmonere, moneo, monuimonu-
s-Perfektscribere, scribo, scripsiscrips-
Dehnungsperfektvenire, venio, veniven- (langer Vokal)
Reduplikationsperfektdare, do, dedided-

Signalwörter: subito (plötzlich), tandem (endlich), denique (schließlich), postea (später).

Alle Formen: Perfekt im Detail

Das Plusquamperfekt: noch früher

Das Plusquamperfekt drückt aus, dass etwas schon vor einem anderen vergangenen Ereignis passiert war (Vorzeitigkeit in der Vergangenheit):

Caesar urbem, quam hostes vastaverant, intravit. Cäsar betrat die Stadt, die die Feinde verwüstet hatten.

vastaverant liegt zeitlich vor intravit. Deshalb steht das Plusquamperfekt.

Bildung: Perfektstamm + -era- + Personalendung (laudav-era-m, -eras, -erat, -eramus, -eratis, -erant).

Signalwörter: antea und prius (vorher), iam (schon).

Alle Formen: Plusquamperfekt im Detail

So übersetzt du die Vergangenheit richtig

Hier passieren die meisten Fehler. Im Deutschen gibt es die gleichen Zeiten, aber wir benutzen sie anders als die Römer:

LateinischDeutsche Übersetzung
ImperfektPräteritum (er lobte)
Perfektin Erzählungen meist Präteritum (er lobte), sonst Perfekt (er hat gelobt)
PlusquamperfektPlusquamperfekt (er hatte gelobt)

Der wichtigste Sonderfall: Nach postquam („nachdem“) steht im Lateinischen das Perfekt, im Deutschen übersetzt du mit dem Plusquamperfekt:

Postquam hostes venerunt, cives fugerunt. Nachdem die Feinde gekommen waren, flohen die Bürger.

In 3 Fragen zur richtigen Zeit

  1. Beschreibe ich einen Zustand, eine Dauer oder eine Gewohnheit? → Imperfekt
  2. Passiert etwas Einmaliges, das die Handlung voranbringt? → Perfekt
  3. War es schon vor einem anderen vergangenen Ereignis passiert? → Plusquamperfekt

Häufige Fragen

Wie heißt die Vergangenheit auf Latein?

Es gibt drei Vergangenheitszeiten: das Imperfekt (laudabat), das Perfekt (laudavit) und das Plusquamperfekt (laudaverat).

Was ist die Mitvergangenheit im Lateinischen?

Mitvergangenheit ist die in Österreich übliche Bezeichnung für das Imperfekt. In Deutschland heißt es oft Präteritum oder 1. Vergangenheit.

Wie erkenne ich das Perfekt?

Am Perfektstamm und den Endungen -i, -isti, -it, -imus, -istis, -erunt. Weil sich der Perfektstamm je nach Verb unterscheidet, lernst du ihn mit den Stammformen (laudo, laudare, laudavi, laudatum).

Wird das Perfekt immer mit dem deutschen Perfekt übersetzt?

Nein. In Erzählungen übersetzt du es meistens mit dem Präteritum (venit – er kam). Mit dem deutschen Perfekt übersetzt du es, wenn das Ergebnis für die Gegenwart wichtig ist.

Was ist das historische Präsens?

Manchmal erzählen Autoren spannende Szenen im Präsens, um sie lebendiger zu machen. Im Deutschen übersetzt du das oft mit dem Präsens, beim Verfassen deiner eigenen Übersetzung ist aber auch das Präteritum möglich.

Üben statt nur lesen

Zeiten sitzen erst, wenn du sie selbst bestimmst und übersetzt. In der Lateinorum App findest du die gesamte Grammatik, schlägst jede Form im Wörterbuch nach und lernst mit dem Vokabeltrainer auch die Stammformen.

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